Frankfurt,
23
Februar
2017
|
14:30
Europe/Amsterdam

Wie Millennials das Wohnen, Arbeiten und Einkaufen verändern

  • 70 Prozent der deutschen Millennials glauben, dass die Gehaltsentwicklung nicht mit den Immobilienpreisen mithalten kann

  • 59 Prozent trennen Arbeit und Privates strikt

  • 68 Prozent lassen sich immer oder oft Ware nach Hause liefern – 56 Prozent wollen die Ware aber auch im Geschäft anschauen

Die Generation der Millennials (die aktuell 22 bis 29-Jährigen) zeichnet sich auch in Deutschland durch neue Ansprüche in Bezug auf Wohnen, Arbeiten und das Einkaufsverhalten aus, mit denen sie sich von vorherigen Generationen abgrenzt. Gleichzeitig sind traditionelle Werte, vor allem verglichen mit ihren internationalen Altersgenossen, stark im Wertekanon der Generation der Millennials verankert. Dies ist ein Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Umfrage, für die das Immobilienunternehmen CBRE in dreizehn Ländern weltweit über 13.000 Millennials befragt hat, davon 1.000 in Deutschland.

Hohe Preise schrecken vor Wohneigentum ab
Das Wohnverhalten der Millennials wird stark vom traditionellen Mietmarkt in Deutschland geprägt.

Dr. Jan Linsin, Head of Research Germany
Junge Menschen treffen in Deutschland auf ein vielfältiges Angebot an Mietwohnungen, das, zusammen mit einer hohen Erwerbstätigkeitsquote, den Auszug aus dem elterlichen Nest ermöglicht.
Dr. Jan Linsin, Head of Research Germany

Während international mit 51 Prozent nur knapp mehr als die Hälfte nicht mehr bei ihren Eltern lebt, sind es in Deutschland 73 Prozent. „Rund ein Drittel der Millennials sagt, dass das Mieten besser zu ihrem Lebensstil passt, da mit dem Mieten keine Verpflichtungen einzugehen sind und die Gen Y vor allem ihre Flexibilität im Hinblick auf ihre Standortwahl nicht einbüßen möchte“, erklärt Linsin. Bezüglich eines zukünftigen Eigentumserwerbes sehen sich die Befragten jedoch aufgrund des hohen Preisniveaus in deutschen Großstädten stark eingeschränkt. „34 Prozent der jungen Menschen in Deutschland gehen nicht davon aus, in Zukunft einmal Wohneigentum zu besitzen“, sagt Linsin. Dies sind deutlich mehr Menschen, als beispielsweise in Spanien und Großbritannien (jeweils 26 Prozent) oder in Frankreich (18 Prozent). Für 70 Prozent der Millennials war das hohe Preisniveau der wesentliche Grund, den Kauf von Wohneigentum zu verzögern oder gar nicht erst in Betracht zu ziehen.

Wohlbefinden am Arbeitsplatz gewinnt an Bedeutung
„Entgegen häufig geäußerter Annahmen haben sich die Vorstellungen über ein gutes Arbeitsleben kaum geändert – drei Viertel der Millennials in Deutschland wollen nur in einer oder in wenigen Firmen arbeiten“, sagt Linsin. Diese Aussage wird außerdem von dem Ergebnis gestützt, dass 70 Prozent der Befragten mit ihrem aktuellen Job zufrieden sind. Bezüglich des Arbeitsumfeldes haben noch immer 45 Prozent der Befragten das eigene Büro als Zielvorstellung. Bei deutschen Millennials ist ein Trend des Wohlbefindens (wellbeing) am Arbeitsplatz zu beobachten. So messen sie praktischen Einrichtungen und Gebäudeausstattungen, die Zeit und Geld sparen, eine hohe Relevanz zu – Kantinen (36 Prozent), Kaffeebars (32), Erholungs- und Entspannungsangebote (28), Convenience Stores (26) und Kinderbetreuungseinrichtungen (22 Prozent) spielen dabei eine wichtige Rolle, während ausländische Millennials eher auf ein freizeitorientiertes Zusatzangebot setzen. Um auf die Bedürfnisse der deutschen Millennials einzugehen, können Unternehmen etwa eine sogenannte Wellness-Strategie entwickeln oder WELL Building Standards umsetzen. Den Trend können Arbeitgeber demzufolge nicht nur für sich nutzen, um die jungen Talente an sich zu binden – zugleich können Personalkosten gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden. „Dies verdeutlicht, dass deutsche Arbeitgeber bei der Bereitstellung moderner Bürolösungen Vorsicht walten lassen sollten. Smart-Workplace-Lösungen wie Co-Working oder Shared-Desk erhöhen die Effizienz und das Wohlbefinden der Mitarbeiter am Arbeitsplatz und können gleichzeitig Kosten einsparen – aber nur, wenn diese Ansätze professionell ausgearbeitet und umgesetzt werden“, erläutert Linsin.

Auch in Bezug auf die Trennung von Arbeit und Freizeit sind deutsche Millennials durchaus konservativ: Etwa 59 Prozent legen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance und trennen Arbeit und Privatleben strikt voneinander. Auch stimmten weniger deutsche (30 Prozent) als internationale (38 Prozent) Millennials der Aussage zu, ihren Job nur angenommen zu haben, um die Rechnungen zahlen zu können.

Während sich international mehr als drei Viertel der Arbeitsplätze von Millennials in den jeweiligen Innenstädten oder an der Peripherie der Großstädte und Metropolen befinden, arbeiten die jungen Deutschen nur zu 50 Prozent in den Ballungszentren, während ein weiteres Drittel in den kleineren und mittleren Städten arbeitet. „Eine gute Nachricht ist, dass diese auf der polyzentrischen Struktur von Deutschland und der hohen Bedeutung des Mittelstandes beruhende Verteilung ohne gravierende Einbußen bezüglich Lifestyle und Karriereplanung einhergeht“, erklärt Linsin. International sehen 65 Prozent der Millennials Arbeitsplätze in Großstadtzentren als sehr attraktiv oder attraktiv an – in Deutschland sind es lediglich 46 Prozent.

Online-Shopping: Traditionalisten vs. Early-AdoptersWährend die Millennials in den Bereichen Wohnen und Arbeiten traditionellere Anschauungen vertreten, werden sie in ihrer Freizeit ihrem Ruf als „Digital Natives“, „Net Generation“ oder „Tech-Geeks“ gerecht. Mit 23 Prozent kauft fast ein Viertel von ihnen mehr als die Hälfte online – einzige Ausnahme sind Lebensmittel. Ganze 20 Prozent geben jedoch an, vollständig auf Online-Shopping zu verzichten. Hauptgrund für die Mehrheit dieser beiden Gruppen, stationär zu kaufen, ist das Einkaufserlebnis. Neben der Sofortverfügbarkeit der Waren (29 Prozent) können Produkte auch begutachtet (18 Prozent) und anprobiert (14 Prozent) werden. „Die Dauer, zu der sich Millennials mit Online- und Offline-Shopping beschäftigen, hält sich hierzulande mit 4,8 Tagen (online) und 5,4 Tagen (offline) pro Monat schlussendlich fast die Waage“, erläutert Linsin. „Für Händler gilt also, dass eine gute Multi-Channel-Strategie von zentraler Bedeutung für den Unternehmenserfolg ist.“

Als wichtigstes Argument (53 Prozent), warum Befragte in Zukunft vermehrt online einkaufen wollen, wird die größere Vielfalt an Zustelloptionen genannt. „Dies ist ein unmissverständliches Signal an Online-Händler und Versanddienstleister, ihre Zustelloptionen weiter auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zuzuschneiden. Auch Vermieter und Arbeitgeber können dieses Interesse aufnehmen um über entsprechende Angebote die Millennials als Mieter und Arbeitnehmer für sich zu gewinnen“, sagt Linsin.

In den kommenden drei Jahren plant etwa ein Drittel der Millennials mehr als die Hälfte ihrer Einkäufe online zu erledigen. Mit neun Prozent halbiert sich die Zahl der Verweigerer zwar nahezu, dennoch beabsichtigt eine knappe Mehrheit der Befragten zukünftig weniger als die Hälfte online einzukaufen. Als Ursache gaben die letzteren Befragten Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit (19 Prozent), die Erwartung steigender Lieferkosten (26 Prozent) und weniger bequeme Lieferoptionen (19 Prozent) an. Im Gegensatz hierzu nehmen 53 Prozent der Millennials, die sich dafür entscheiden wollen mehr online einzukaufen, an, dass die Lieferung der Waren in Zukunft bequemer wird, dass das Preisgefälle zwischen Highstreet und Online weiter steigen wird (48 Prozent) und dass die Bandbreite an Produkten und Marken weiter zunehmen wird (45 Prozent).

 

 

Ansprechpartner:
Dr. Jan Linsin
CBRE GmbH
Head of Research Germany
+49 69 17 00 77 663
jan.linsin@cbre.com

 

 

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